Nach mehr als 25 Jahren widmet das Städel Museum der US-amerikanischen Kunst auf Papier von 1945 bis heute wieder eine Ausstellung. Vom 6. April bis 17. Juli 2022 werden rund 50 herausragende Druckgrafiken, Zeichnungen und Multiples etwa von Louise Bourgeois, Chuck Close, Jim Dine, Jasper Johns, Bruce Nauman, Jackson Pollock, Larry Rivers, Kiki Smith oder Kara Walker präsentiert, die das Thema des Menschseins verhandeln.

Die US-amerikanische Kunst der letzten achtzig Jahre ist voller Grenzüberschreitungen und Widersprüche. Sie ist so unkonventionell wie vielgestaltig: Abstrakter Expressionismus, Pop Art, Konzeptkunst, Minimal und Performance Art – in relativ kurzer Zeit entwickelten sich nach 1945 in New York und (später) an der Westküste verschiedene, teils gegensätzliche ästhetische Konzepte. Künstlerinnen und Künstler wählten Medium und Material frei und strategisch – je nach der Aussage, die sie treffen wollten. Der Druckgrafik kam dabei eine Schlüsselrolle zu. Als Labor formaler wie inhaltlicher Experimente erschloss sie Künstlerinnen und Künstlern neue Wege. Hand in Hand ging dies seit den 1960er-Jahren mit der Gründung neuer Druck- und Papierwerkstätten. In enger Zusammenarbeit entstanden dort Drucke und vervielfältigte Objekte von ausgeklügelter technischer Raffinesse, oft in selbstbewusst großem Format. Als „Graphic Boom“ ging diese druckgrafische Revolution in die Kunstgeschichte ein.

Geprägt von immer neuen politischen, wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Umbrüchen und Krisen verhandeln dabei viele Werke die Frage nach der menschlichen Existenz. An die Stelle einer naturgemäßen Darstellung der menschlichen Figur tritt das zeichenhaft Abstrahierte, das Fragment, der Abdruck, auch die Leerstelle. Menschliche Wahrnehmung und Erfahrung wird als ausschnitthaft reflektiert und Sprache als Instrument zur Beschreibung der Welt beleuchtet.