Das KUNSTWERK Sammlung Klein in Eberdingen-Nussdorf zeigt ab 23. Januar 2022 in der Ausstellung „Vertauschte Köpfe“ zentrale Werkgruppen sowie neue Arbeiten von Andreas und Konrad Mühe. Die beiden in Berlin lebenden Brüder realisieren dabei erstmals ein gemeinsames Projekt. Im Spannungsfeld des vermeintlich so ganz Unterschiedlichen eröffnen sich neue Korrespondenzen.

Andreas Mühe (1979 geboren in Karl-Marx-Stadt, heute Chemnitz) gehört zu den bekanntesten Fotokünstlern in Deutschland. Die präzise und inhaltlich pointierte Inszenierung seiner Motive ist für sein Werk charakteristisch. In seinen figurativen Arbeiten erhält die Darstellung der Protagonisten eine geradezu skulpturale Qualität. Mit sensibler Lichtregie aus dem dunklen Bildraum hervorgehoben, lassen seine Figuren an Standbilder denken, die ebenso wie die Porträtbüsten jeder Zeitlichkeit enthoben scheinen. Und dennoch repräsentieren sie in aller Deutlichkeit die historischen, politischen sowie gesellschaftlichen Konnotationen der ihnen eigenen Geschichte.

Konrad Mühe, drei Jahre nach seinem Bruder ebenfalls in Karl-Marx-Stadt geboren, ist Filmemacher, Drehbuchautor und bildender Künstler. Die Auseinandersetzung mit den Bedingungen seines Metiers führt zunächst zu Videoinstallationen, in denen Beamer-Projektion, Filminhalte und die räumlich teils vorhandene, teils inszenierte Umgebung eine konzeptionelle Einheit bilden. Seit 2017 entstehen sogenannte „Projektionswesen“. Diese bestehen aus handelsüblichen, bildhauerisch bearbeiteten Metallregalen, die in ihrer Gestalt und im Zusammenspiel mit den wie Köpfe aufgesetzten Beamern menschliche Ausdrucksqualitäten entwickeln. Die Inhalte der Filme kongruieren mit der Haltung der technoid-humanen Wesen, als gäben sie die Innenwelt der Gedanken wieder.

Die Reflektion beider Künstler über die mediale Repräsentation von Identität im Wechselspiel von Konstruktion und Rekonstruktion, Wahrheit und Projektion verdichtet sich auf der biographischen Ebene. Als Söhne des 2007 verstorbenen Schauspielers Ulrich Mühe und der Theaterintendantin Annegret Hahn setzen Andreas und Konrad Mühe den Auftakt ihrer Ausstellung im KUNSTWERK mit Arbeiten, die sich mit dem frühen Tod des Vaters als einschneidendem Ereignis beschäftigen. Im wenige Jahre später entstandenen Werkzyklus „Mischpoche“ von Andreas Mühe kommt diese Auseinandersetzung in zwei zentralen Familienporträts zum Ausdruck, die von weiteren Arbeiten flankiert werden. Insbesondere jene, die das Schicksal der Familie mütterlicherseits wiederspiegeln, legen eine Spur zu den familiären Wurzeln im Südwesten Deutschlands. Als Nachfahre des berühmten Mechaniker-Pfarrers Philipp Matthäus Hahn übersiedelte der Großvater im Jahr 1937 von Kornwestheim in die Uckermark im Nordosten Brandenburgs. Diese familiengeschichtliche Koinzidenz – die Verbindung zwischen dem Osten und Westen Deutschlands – legte auch den Grundstein für das Zustandekommen der Ausstellung in der Sammlung Klein.


Öffnungszeiten:
Mittwoch - Freitag und Sonntag: 11:00 - 17:00 Uhr

Weitere Informationen direkt unter: sammlung-klein.de

Andreas Mühe, Mühe II (groß), 2016-2019, aus der Serie Mischpoche, C-Print, 175 x 220 cm, ©Andreas Mühe
23.01. - 01.05.2022

Vertauschte Köpfe. Andreas und Konrad Mühe im KUNSTWERK

KUNSTWERK – Sammlung Klein

Siemensstraße 40
71735 Eberdingen-Nussdorf