Der Mensch ist ein Gemeinschaftswesen, so egoistisch er bisweilen auch erscheinen mag. Schon Aristoteles charakterisierte den Menschen als „Zoon politikon“, als soziales wie politisches Wesen, das zwischenmenschliche Verbindungen eingeht, weil ihm Gemeinschaft ein grundlegendes Bedürfnis ist. Auch heute steht der Mensch, trotz einer zunehmend individualisierten Gesellschaft, in einem komplexen wie wechselseitigen Beziehungsgeflecht mit seinen Mitmenschen.

Die Gruppenausstellung Something Between Us blickt auf unsere Gegenwart und die vertrackten Strukturen des Miteinanders im digitalen Zeitalter. Zugleich thematisiert sie die anthropologischen Konstanten zwischenmenschlicher Beziehungen: Liebe, Empathie und Geborgenheit einerseits sowie andererseits Hass, Abhängigkeit und Ausgrenzung. Something Between Us bringt diese Aspekte menschlicher Koexistenz in verschlungene Korrespondenzen und blickt dabei auch auf die hinter der Fassade lauernden Abgründe.
Die Corona-Pandemie lässt uns heute aus einem veränderten Blickwinkel auf die Thesen der Ausstellung blicken, die bereits 2019 kuratiert wurde und im KAI 10 | ARTHENA FOUNDATION in Düsseldorf vom 6. März bis 2. August 2020 zu sehen war. Covid-19 hat uns in den vergangenen zwei Jahren gezeigt, wie dramatisch das Fehlen zwischenmenschlicher Kontakte sein kann und was es bedeutet, wenn wir Familie und Freunde nicht sehen oder ihnen nicht körperlich nahekommen dürfen. Zwar muss der Mensch im Zeitalter global vernetzter Aktivität und Konnektivität sein Heim nicht mehr verlassen, um zu kommunizieren oder Netzwerke zu pflegen, um zu arbeiten oder einzukaufen. Der Austausch von Gedanken und Meinungen, Ideen und Konzepten ist aktuell keineswegs gefährdet, und doch können technische Kommunikationsmittel körperliche Nähe, ein Händeschütteln, Umarmen oder Schulterklopfen nicht ersetzen. Denn der Mensch kommuniziert nicht nur durch Sprache, sondern auch durch Gestik und Mimik, gar durch seinen Geruch. Unser Radar für atmosphärische Schwankungen ist (noch) kalibriert auf ein Gegenüber, das körperlich anwesend ist.

Malerei, Zeichnung, Fotografie, Film, Skulptur, Installation und Performance: Die Ausstellung Something Between Us in der Kunsthalle Nürnberg zeigt gattungsübergreifende Arbeiten internationaler Künstler*innen, die sich den existenziellen Fragen des (zwischen)menschlichen Daseins widmen. Die eindrücklichen Werke von Kirstin Burckhardt, Miriam Cahn, Vivian Greven, Teboho Edkins, Luzia Hürzeler, Alice Musiol, Warren Neidich, Stefan Panhans, Sibylle Springer, Thomas Taube und Andrea Winkler thematisieren eine prekäre Welt voller Instabilitäten und systemischen Ungerechtigkeiten und offerieren zugleich Alternativen im Umgang miteinander und mit unserer Welt. Sie finden Bildmetaphern für dieses „something between us“, das wir nicht sehen und nicht greifen können, das unter der Oberfläche liegt und für das unsere Sprache keine angemessenen Worte findet.


Öffnungszeiten:
Dienstag, Donnerstag - Sonntag: 11:00 - 18:00 Uhr
Mittwoch: 11:00 - 20:00 Uhr
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: kunstkulturquartier.de