Harald Naegeli (*1939), der „Sprayer von Zürich“, kam gegen Ende des Jahres 1979 nach Köln. Seine nachts in den Straßen der Stadt gesprayten Graffiti von Skeletten wurden als Kölner Toten-tanz berühmt. Am Westportal der Museumskirche St. Cäcilien des Museum Schnütgen hat sich das letzte Graffiti aus den 1980er Jahren erhalten. Diese Totentanz-Figur wurde als Bestandteil des Baudenkmals der Kirche, die seit 1980 unter Denkmalschutz steht, und als kongeniale Ergänzung der Memento-Mori-Sammlung des Museums als Denkmal behandelt und konserviert.

Weniger bekannt sind Naegelis Zeichnungen auf Papier. 2018 schenkte er dem Museum Schnütgen 102 Zeichnungen und ein Mappenwerk mit Radierungen. Für die Ausstellung wurde daraus eine Auswahl getroffen, von kleinformatigen Arbeiten mit figürlichen Darstellungen bis zu den großfor-matigen, mystischen Tuschezeichnungen der Urwolke aus feinsten Federstrichen und Punkten. Zusätzlich werden bislang nie gezeigte Leihgaben aus dem Züricher Atelier des Künstlers präsen-tiert: 20 Blätter der Apokalypse mit dramatischen figürlichen Zeichnungen auf den zeitlos schwebenden Teilen der Urwolke.

Naegelis Arbeiten und eine Dokumentation des Kölner Totentanzes treten dabei erstmals in einen unmittelbaren Dialog mit den mittelalterlichen Objekten des Museums sowie mit ausgewählten Leihgaben der Graphiksammlung „Mensch und Tod“ der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

Anlass für die Ausstellung bildet neben der bedeutenden Schenkung das Förderprogramm „For-schungsvolontariat Kunstmuseen NRW“ des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen. Dieses ermöglichte es, die Kunsthistorikerin Erchen Wang für ein zweijähri-ges Forschungsvolontariat speziell zu Harald Naegeli am Museum Schnütgen zu beschäftigen. Zusammen mit Kim Mildebrath hat sie die Ausstellung kuratiert.

Teil der Ausstellung ist auch eine besondere Neuerwerbung des Museums: 21 buntfarbig gefasste Figurenpaare aus gebranntem Ton aus einem Zizenhausener Totentanz des Herstellers volkstüm-licher Tonfiguren Anton Sohn (1769–1840). In diesen führt jeweils der Tod Vertreter aller gesell-schaftlichen Stände – vom Papst bis zum Koch – ins Jenseits. Der Ankauf dieses Kunstwerks aus dem 19. Jahrhundert, welches die Museumssammlung aber auch die Sonderausstellung hervorragend bereichert, wurde finanziert vom Freundeskreis Museum Schnütgen e.V., ergänzt durch das Preisgeld des Kölner Kulturrates anlässlich der Verleihung des Kölner Kulturpreises 2020 in der Kategorie „Kulturereignis des Jahres“ für die Sonderausstellung „Arnt der Bilderschneider“.


Öffnungszeiten:
Dienstag - Mittwoch: 10:00 - 18:00 Uhr
Donnerstag: 10:00 - 20:00 Uhr
Freitag - Sonntag: 10:00 - 18:00 Uhr
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: museum-schnuetgen.de