Report 1964–2022 ist Peter Friedls (*1960) bisher umfassendste institutionelle Werkschau in Deutschland. Friedl verwendet eine Vielzahl von Genres, Medien und Präsentationsformen, um in seinen Arbeiten die Konstruktion von Geschichte und Konzepten, die unser politisches und ästhetisches Bewusstsein prägen, zu erforschen. In seiner künstlerischen Praxis geht es darum, neue Erzählformen zu schaffen, in denen Zeit, permanenter Orts- und Perspektivenwechsel sowie kritische Intimität eine zentrale Rolle spielen. Häufig bezieht sich Friedl dabei auf die Poetik und Darstellungsweisen des Theaters (beispielsweise maßstabsgetreue Modelle, Tableaux vivants, Requisiten, Puppentheater, Reinszenierung), um auf verborgene oder übersehene Mechanismen hinzuweisen, die in der Geschichtsschreibung, in der Sprache und in kulturellen Identitäten zum Tragen kommen. Archivarische Genauigkeit ist die prägende Organisationsstrategie in einigen seiner Langzeitprojekte, in denen strikte Chronologie oder ähnliche Ordnungsprinzipien genutzt werden, um unsere Vorstellungen von Visibilität und Kontext in Frage zu stellen. Auch die Zeichnung, die als lyrische Stimme private wie gesellschaftspolitische Geschichte(n) kommentiert und dokumentiert, spielt eine wichtige Rolle in Friedls Œuvre. Report 1964–2022 ist eine monografische Schau, die Werke aus mehr als fünf Jahrzehnten vereint. Ihr Titel ist der gleichnamigen Videoinstallation – Report (2016) – entliehen, die Friedl für die documenta 14 geschaffen hat, eine Arbeit, die der Durchlässigkeit von Sprache und den Grenzen von Identität nachspürt, während die Jahresangaben Friedls Interesse an der Echtzeit unterstreichen. Begleitet wird die Ausstellung von der Publikation On Peter Friedl (in englischer Sprache), die bereits veröffentlichte Texte der letzten zwanzig Jahre sowie neu in Auftrag gegebene Essays zum Werk des Künstlers vereint.