Klaus Stuttmann, 1949 geboren in Frankfurt a. M., wuchs in Leinfelden-Echterdingen bei Stuttgart auf. Bereits als 10-Jähriger zeichnete er großflächig Karikaturen von Politikern auf den Tapeten in der elterlichen Wohnung. Nach seinem Schulabschluss entschied er sich für ein Kunstgeschichtsstudium, das er in Tübingen begann und ab 1970 in Berlin fortsetzte. Politisch in einer der Sozialistischen Einheitspartei Westberlins (SEW) nahestehenden Hochschulgruppe aktiv, gestaltete er Flugblätter und zeichnete Karikaturen. Eine Tätigkeit, die Stuttmann endgültig davon überzeugte, die Kunsttheorie zugunsten der zeichnerischen Praxis aufzugeben. Nach dem Magisterabschluss 1976 arbeitete er als Illustrator und Layouter. Für die Tageszeitung der SEW "Die Wahrheit" zeichnete er bis 1989 politische Karikaturen, anschließend für die "taz".

In den folgenden drei Jahrzehnten veröffentlichte Stuttmann darüber hinaus in über 30 Tageszeitungen, darunter regelmäßig in der "Badischen Zeitung", "Neuen Osnabrücker Zeitung", "Neuen Westfälischen", "Hannoverschen Allgemeinen" und "Rhein-Neckar-Zeitung". Seit 2003 zeichnet er fast täglich für den "Tagesspiegel". Außerdem illustrierte er zahlreiche Publikationen. Die besten Arbeiten eines Jahres versammelt Stuttmann seit 2006 in seinen Jahrbüchern.

Für seine Karikaturen wurde Stuttmann mehrfach mit der "Rückblende" ausgezeichnet, 1997 erhielt er den 1. und 2014 den 2. Preis des "Deutschen Preises für politische Karikatur". Zudem gewann er 2007 den Publikumspreis und 2016 den 1. Platz beim "Deutschen Karikaturenpreis", 2010 in Forte dei Marmi (Italien) den "Premio Satira Politica". Zuletzt belegte Stuttmann 2021 den 3. Platz beim "Deutschen Cartoonpreis". Er lebt und arbeitet in Berlin.

Klaus Stuttmann gehört zu den renommiertesten tagespolitischen Karikaturisten in Deutschland. Täglich erarbeitet er seine gezeichneten Kommentare zum Weltgeschehen in gelassener Routine: (Meist) nächtliches Studium der aktuellen Online-Nachrichten und Schlagzeilen, Auswahl des Themas und erste Ideenfindung, Ausarbeitung der Zeichnung ab 13.30 Uhr, Abgabe zum Redaktionsschluss bis spätestens 16.30 Uhr. Längere Auszeiten gönnt sich der Zeichner kaum — selbst im Urlaub wird am täglichen Witz gearbeitet.

Seit über 20 Jahren zeichnet er ausschließlich auf dem Tablet, das ihm die Arbeit enorm erleichtert: Der Autodidakt hat nie eine grafische Ausbildung absolviert, in der er den „richtigen“ Umgang mit Feder und Tusche erlernte. Das Kratzen der Feder, unschöne Flecken und lästige Löcher im Papier gehören für Stuttmann lange der Vergangenheit an. Ohnehin ist Stuttmann offen gegenüber technischen Neuerungen, die seiner Arbeit auch immer entgegenkamen: Das Faxgerät erlöste ihn von den Gängen in die Redaktionen und die E-Mail ermöglichte es ihm, seine anfänglich schwarz- weiß gehaltenen Zeichnungen nun auch koloriert zu versenden. Seit 2009 experimentiert er mit animierten Karikaturen, die 2012 auch das ZDF zeigte. Zudem veröffentlichte er "Making-Offs", in denen man Strich für Strich die Entstehung seiner Zeichnungen bis hin zur Kolorierung verfolgen kann.

Schätzungsweise 10.000 - 15.000 Karikaturen hat Stuttmann laut eigener Aussage im Laufe seiner Karriere gezeichnet. Immer geprägt durch den eigenen "Stuttmann-Strich", der so leichtfüßig erscheint und hinter dem ein genaues Studium der Porträtierten steckt. Dabei geht es nicht nur um markante Äußerlichkeiten, sondern auch um ihr Wesen, ihre Eigenheiten. Seine Figuren entstehen mit jeder Zeichnung neu, feste Vorlagen gibt es keine — das schafft Raum für ihre Entwicklung. Immer aber gilt der Grundsatz, der so wesentlich für die Karikatur ist: Binnen Sekunden muss sich den Betrachtenden erschließen, um wen und um welche Situation es geht.

Klaus Stuttmann versteht sich aber nicht nur als Künstler, sondern ebenfalls als Journalist. Seine Karikaturen sind kritischer Kommentar, oftmals auch provokanter Gegenentwurf zum politischen Mainstream. Mit historischem und politischem Wissen, Beobachtungsgabe und Menschenkenntnis seziert er komplizierteste Sachverhalte. Mit feinen Strichen und pointiertem Wortwitz deckt er auf, stellt bloß, eckt an. In der römischen Tradition der Persönlichkeitskarikatur stößt er die Mächtigen mit Humor vom Thron, gibt sie der Lächerlichkeit preis und lässt sie zu dem werden, was sie eigentlich sind: Menschen, über die man lachen kann. Nicht zum Selbstzweck, sondern als erster Schritt des Widerstandes. Stuttmanns Machtkritik richtet sich gegen Personen, staatliche und religiöse Autoritäten sowie Gesellschaftsstrukturen, gegen antidemokratische Tendenzen jeglicher politischen Couleur.

In der Werkschau „Klaus Stuttmann: Statements“ zeigt das Caricatura Museum Frankfurt mehr als 300 Karikaturen aus den Jahren 1990 bis 2022. Ebenfalls sind Illustrationen für den 2008 erschienenen Museumsführer „Fit fürs Museum“ sowie für das Weinmagazin „enos - von Wein, Menschen und Kulturen“ zu sehen. Komplettiert wird die Ausstellung durch eine Auswahl an Radierungen, Plastiken und „Making-Offs“. Einen besonderen Platz nimmt eines seiner Hauptmotive ein: die Bundeskanzlerin a. D. Angela Merkel. Eine Figur, die ihm als Karikaturist besonders ans Herz gewachsen ist. Seit über 30 Jahren hat er ihren Werdegang beobachtet, ihre charakteristischen Züge studiert.


Öffnungszeiten:
Mittwoch - Sonntag: 11:00 - 18:00 Uhr
Montag - Dienstag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: caricatura-museum.de

Schuft © Klaus Stuttmann
28.04. - 03.10.2022

Klaus Stuttmann: Statements

Caricatura Museum Frankfurt – Museum für Komische Kunst

Weckmarkt 17
60311 Frankfurt am Main