Anlässlich des 700. Todestags von Dante Alighieri (1265-1321) widmet sich das Berliner Kupferstichkabinett mit „Höllenschwarz und Sternenlicht“ unterschiedlichen Formen der künstlerischen Auseinandersetzung mit Dantes literarischem Hauptwerk, der Göttlichen Komödie. Die Auswahl der ausgestellten Werke erstreckt sich vom vom frühen 19. Jahrhundert bis heute. Neben Neuerwerbungen und Schenkungen sind selten gezeigte Sammlungsbestände u. a. von Joseph Anton Koch, Ebba Holm, Klaus Wrage, Odilon Redon, Max Klinger, Wilhelm Lehmbruck oder Andreas Siekmann zu sehen.

Die reiche Themen- und Bildwelt von Dantes Göttlicher Komödie nimmt die Ausstellung auf mehrfache Weise in den Blick: Dies geschieht zum einen in Form zweier Illustrationsfolgen der 1920er-Jahre, die durch ausgewählte Werke der Graphik des 19. und frühen 20. Jahrhunderts ergänzt werden. Zum anderen wird aus der zeitgenössischen Perspektive von Andreas Siekmann (geb. 1961) das Thema der Hölle – bei Dante das erste der drei von ihm durchwanderten Jenseitsreiche – auf besondere Weise aktualisiert: In seinen farbigen, am PC gezeichneten Digitaldrucken zu „Die Exklusive. Zur Politik des ausgeschlossenen Vierten“ (2002- 2011), die in Auswahl präsentiert werden, nimmt sich der Berliner Künstler gesellschaftlich-politischen Höllen unserer Zeit an. Er veranschaulicht damit nicht nur Problemzonen etwa gegenwärtiger Grenz- und Flüchtlingspolitik, sondern aktualisiert damit auch die Rolle des Exilanten Dante, der nicht nur Schriftsteller, sondern auch Politiker und Zeitkritiker war.

Das Grundgerüst der Ausstellung stellen jedoch die Linolschnitte der Dänin Ebba Holm (1889-1967) und die Holzschnitte des Norddeutschen Klaus Wrage (1891-1984) aus den 1920er-Jahren dar, die es erlauben, schlaglichtartig die wichtigsten Szenen der Göttlichen Komödie vorzustellen. Klaus Wrage hatte seine 123 Holzschnitte, die anlässlich seines 1925 im Selbstverlag publizierten Dante-Blockbuch entstanden, in den frühen 1920er-Jahren dem Kupferstichkabinett geschenkt. Sie gingen jedoch nach Ende des Zweiten Weltkriegs verloren und tauchten erst vor zwei Jahren im spanischen Kunsthandel wieder auf. Gleichzeitig zu diesem besonderen Rückgewinn gelang dank privater Förderung der Erwerb aller 108 Dante-Linolschnitte von Ebba Holm. Sie ist eine der wenigen Künstlerinnen, die sich der Illustration der Göttlichen Komödie gewidmet haben.

Weitere Künstler der Ausstellung sind: Joseph Anton Koch, John Flaxman, Bertel Thorwaldsen, Johann Anton Ramboux, Bonaventura Genelli, Eugène Delacroix, Gustave Doré, Max Klinger, Odilon Redon, Wilhelm Lehmbruck und Willy Jaeckel.

Die Ausstellung wird kuratiert von Andreas Schalhorn, Kurator für moderne Kunst am Kupferstichkabinett.

Zur Ausstellung erscheint ein Begleitjournal im Verlag der Staatlichen Museen zu Berlin: 64 Seiten, ca. 70 Abbildungen, Preis: ca. 10 €.


Öffnungszeiten:
Dienstag - Freitag: 10:00 - 18:00 Uhr
Samstag - Sonntag: 11:00 - 18:00 Uhr
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: smb.museum

Klaus Wrage, Blatt zu Paradiso I („Die Göttliche Komödie“), 1923, Holzschnitt, © Dr. Helgi und Helga Wrage, © Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett / Dietmar Katz
12.02. - 08.05.2022

Höllenschwarz und Sternenlicht. Dantes Göttliche Komödie in Moderne und Gegenwart

Kupferstichkabinett

Matthäikirchplatz
10785 Berlin