Mit der Ausstellung „Marta Maps – Neue Routen durch die Sammlung“ gewährt das Marta Herford einen Einblick in seine umfassende Sammlung und lädt die Besuchenden dazu ein, Kunst aus ganz unterschiedlichen Perspektiven zu entdecken. Gezeigt werden die Werke von 16 internationalen Künstler*innen aus der Sammlung Marta, die sich in der Lippold-Galerie zu einem offenen Erfahrungs- und Erkenntnisangebot zusammenfinden, das Begegnungen schafft und Dialoge anregt.

Die Marta-Schau bietet einen Querschnitt der jungen Museumssammlung, die mittlerweile etwa 500 zeitgenössische Werke umfasst – darunter Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen, Installationen und Videoarbeiten. Neben Norbert Schwontkowskis Malerei „Licht an“ (2010), die mit ihrer erdigen Farbgebung eine melancholische Ernsthaftigkeit vermittelt, sind auch die farbigen Skulpturen aus der Serie „Nippes“ (1999) von Ulrike Lienbacher Teil der Sammlungspräsentation. Ähnlich farbintensiv ist die leuchtend blaue Wandfarbe in der Installation „Then it will be as if I were already in the air“ (1999-2001) von DeAnna Maganias. Mit akkuraten Stuhlreihen im Mini-Format erscheint die Arbeit wie das Modell einer Flughafen-Wartehalle. Im Gegensatz zu diesem vermeintlichen Transitort strahlt der Teppich von Carla Accardi, der im Kontext einer Ausstellung der Künstlerin im Marta (2007) entstanden ist, eine einladende Ruhe aus. Die Auswahl der rund 30 Ausstellungsobjekte lebt von Kontrasten, gleichzeitig verbindet die Werke ihr erzählerisches Potenzial, das bei den Betrachtenden ganz individuelle Assoziationen weckt.

„Marta Maps“ eröffnet zudem den Blick auf ausgewählte Sammlungswerke, die erstmalig im Marta Herford gezeigt werden – obgleich die Künstler*innen bereits lange mit dem Museum verbunden sind: Paolo Chiasera, der mit seiner Tupac-Statue schon seit der Eröffnungsausstellung „my (private) Heroes“ (2005) den Blick auf das Marta prägt, ist in der Gruppenausstellung mit der Videoarbeit „Cellspacing“ (2002) vertreten, die eine mysteriöse Laborsituation zeigt und den Betrachtenden Rätsel aufgibt. Daneben ist die Zeichnungsserie „Thoughts“ (2015) von Nedko Solakov zu sehen, die durch das Zusammenspiel von Bildern und handgeschriebenen Zitaten erstaunliche Denkräume eröffnet. Dieses Vorgehen zeigt sich auch in seinem Werk „Passage“ (2005), das schon seit den Anfängen des Museums im schwarzen Gang hinter der Lobby zu entdecken ist.

Die Vielfältigkeit der ausgestellten Sammlungswerke findet ihre Fortführung in einer besonderen Wegeführung, die das Marta als offenes Angebot entwickelt hat: Mithilfe von drei Routen, die durch farbige Markierungen auf dem Boden gekennzeichnet sind, bietet die Ausstellung drei thematisch unterschiedliche Möglichkeiten der Betrachtung:

Unter dem Titel „Zwischen Bildern und Worten: Eine Erzählung von Wladimir Kaminer“ kann man den poetischen Gedanken des Schriftstellers folgen, der mit seinem Bestseller „Russendisko“ (2000) internationale Erfolge feiern konnte. Ausgehend von acht Werken entwirft Kaminer eine philosophische Erzählung, die sich mit grundsätzlichen Themen der menschlichen Existenz auseinandersetzt: Wie bleiben wir in Erinnerung? Wie wird sich die Erde künftig verändern? Was passiert nach unserem Tod? 

Eine gänzlich andere Herangehensweise bietet die Route „Von Werk zu Werk mit Kinderaugen“, die in Zusammenarbeit mit der städtischen Grundschule Herringhausen in Herford entstanden ist. Kinder der 4. Klassenstufe haben sich ebenfalls acht Werke ausgesucht und ihre Gedanken dazu für das Museum aufgeschrieben. Entstanden ist daraus ein Rundgang, der den unverfälschten Blick von Kindern ins Zentrum stellt und einmal mehr verdeutlicht, dass es nicht die eine richtige Art gibt, Kunst zu betrachten.

Mit der Route „Was sonst verborgen bleibt – Einblicke in den Museumsalltag“ gewährt das Marta den Besuchenden einen Blick hinter die Kulissen: Wie kommen die Werke in die Sammlung? Wo werden sie gelagert? Welche Besonderheiten sind bei der Präsentation im Ausstellungsraum zu beachten? Zwei Werke der Künstlerin Anna Vogel, von denen eines umgedreht an der Ausstellungswand hängt, werden hier zum Anlass genommen, um über die Informationen zu berichten, die sich auf der Rückseite eines Werks befinden können und die vor allem für die Provenienzforschung von großer Bedeutung sind. Diese unkonventionelle Art der Inszenierung findet sich auch an anderer Stelle: Zwischen den Collagen von Guillaume Bruère befindet sich eine Kopie, die jedoch erst bei genauerer Betrachtung als solche erkenntlich wird und damit das Verhältnis von Original und Abbild thematisiert.

Unabhängig von den angebotenen Routen haben die Besuchenden auch die Möglichkeit, sich einen ganz eigenen Weg durch die Marta-Ausstellung zu bahnen und einen Teil der Museumssammlung auf eigene Faust zu entdecken.


Öffnungszeiten:
Dienstag - Sonntag: 11.00 - 18:00 Uhr
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: marta-herford.de