Die Sammlung Florian Peters-Messer kombiniert bekannte Positionen zeitgenössischer Kunst mit Werken junger Künstler*innen. Sie umfasst ein breites Spektrum künstlerischer Haltungen, die sich mit den Lebensbedingungen der Gegenwart auseinandersetzen und politische sowie gesellschaftliche Entwicklungen reflektieren – mal mit verstörender Direktheit, mal in expressiven Gesten oder von konzeptueller Klarheit. Raumgreifende Installationen gehören genauso dazu wie Malerei, Zeichnung, Fotographie und Videokunst.

Der Titel der Ausstellung „Why can‘t we live together“ ist vom gleichnamigen Bild des Künstlers Murat Önen übernommen und stellt die Frage nach dem Verhältnis von Individuum, Beziehungen und Gesellschaft die sich laut dem Soziologen Andreas Reckwitz seit den 1970er Jahren in eine „Gesellschaft der Singularitäten“ verwandelt hat: Die Transformation vom industriellen zum kulturellen Kapitalismus zog eine asymmetrische Verteilung von Aufmerksamkeit und Wertschätzung nach sich – Aufwertung für einen kleinen Teil der Bevölkerung, Entwertung für alle Milieus unterhalb der neuen Mittel- und Oberschicht. Während die einen mit Selbstkulturalisierung, Entfaltung und Verwirklichung beschäftigt sind, kämpfen die anderen, die „Modernisierungsverlierer“, mit den Widrigkeiten des Überlebens und fühlen sich abgehängt. Bjarne Melgaards Arbeit „I am not a piece of shit I am a piece of society“ kritisiert dieses Phänomen. Der Kanon gemeinsamer Werte ist in Auflösung begriffen, die Gesellschaft immer mehr gespalten.

Das spannungsreiche Konfliktpotential innerhalb unserer westlichen Hemisphäre, aber auch im Verhältnis zum globalen Süden, wird in der Ausstellung facettenreich reflektiert. Die Künstler*innen der Sammlung Peters-Messer entlarven den schönen Schein und treffen zielsicher den wunden Punkt.

Die Auswahl der im Kunstmuseum Marburg gezeigten Werke richtet den Fokus auf das Verhältnis zwischen Staat und dem Einzelnen, das Driften im Öffentlichen Raum, zwischenmenschliche Begegnungen und Selbstbefragung. Im Kunstverein werden diese Themen aufgegriffen und um Fragen nach kultureller Idendtitätt und Geschlecht, der Migration sowie den Folgen des Kolonialismus und der Umweltzerstörung erweitert. Kritische Gegenwartskunst kann „zum Wechsel eingefahrener Standpunkte beitragen, Wegbereiter für die Auseinandersetzung mit neuen Inhalten werden und im besten Fall Orientierung in unserer immer komplexer werdenden Welt bieten“ (Florian Peters-Messer). Text: Dr. Carola Schneider

Beteiligte Künstler*innen:
John Bock / Sophie Calle / William Cordova / Oska Gutheil / Harry Hachmeister / Thomas Hirschhorn / Paul Hutchinson / Miriam Jonas / Kris Lemsalu / Erik van Lieshout / Murat Önen / Jack Pierson / Moritz Riesenbeck / Achim Riethmann / Julian Röder / Gregor Schneider / Kon Trubkovich / Susan Turcot / Keith Tyson / Nicholas Warburg / Jan Zöller


Öffnungszeiten:
Montag, Mittwoch - Sonntag: 11:00 - 17:00 Uhr
Jeweils der letzte Donnerstag im Monat: 11:00 - 21:00 Uhr
Dienstag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: uni-marburg.de/de/museum

23.03. - 19.05.2022

Why can‘t we live together - Collection Peters-Messer in Marburg

Museum für Kunst und Kulturgeschichte

Biegenstraße 11
35032 Marburg