Das GRASSI Museum für Angewandte Kunst Leipzig zeigt ab 5. Mai in seiner Ausstellung SCHMUCK + IMAGE rund 300 Schmuckarbeiten von rund 180 internationalen Schmuckgestalterinnen und Künstlern. Basis dieser Schau ist die museumseigene Sammlung. Im Fokus stehen ausschließlich Schmuckstücke, die ab 1945 in die Sammlungen des Museums kamen.

Die Präsentation folgt sowohl internationalen Entwicklungen mit ihren vielfältigen Positionen als auch einer sammlungsspezifischen Geschichte, die insbesondere ostdeutsche Züge trägt. In den ersten Jahren nach 1945 zahlenmäßig noch spärlich, in der Auswahl jedoch schon wegweisend und qualitätsvoll, wuchs die anfänglich kleine Sammlung schnell an. Derzeit umfasst die Sammlung rund 600 Schmuckstücke, die durch regelmäßige Erwerbungen auf den jährlichen hauseigenen Grassimessen sowie durch großzügige Schenkungen stetig wächst.

Schmuck nach 1945 bis heute
Einen besonderen Blick gewährt die Ausstellung auf ostdeutsche Schmuckgestalterinnen und Schmuckgestalter, die in den ersten Nachkriegsjahren neue Wege beschritten. Sie öffneten das klassische Goldschmiedehandwerk für innovative Gestaltungsideen, oft inspiriert durch die internationale zeitgenössische Kunst. Daraus folgten eine Abkehr von der dekorativen Unverbindlichkeit, eine zunehmende Lust am Materialexperiment und schließlich das Infragestellen der materiellen Bewertung von Schmuck. Für dieses neue Verständnis von „Schmuck mit künstlerischer Handschrift“ ist seit einiger Zeit der Begriff „Autorenschmuck“ gebräuchlich. Er steht für den Anspruch, sich im großen Reigen der bildenden Kunst als eigenständige Domäne zu behaupten und sich auf der anderen Seite vom klassischen Goldschmiedehandwerk, der Schmuckindustrie sowie vom Modeschmuck abzugrenzen.

Dieser Wandel vollzog sich gegen Ende der 1960er Jahre auf internationaler Ebene, angeführt von Schmuckzentren, an deren Ausbildungsstätten die Avantgarde wirkte und lehrte. Zwei dieser Zentren spielen in der Ausstellung eine besondere Rolle: München und Halle (Saale). Früh schon hat das Museum Arbeiten von Renate Heintze (1936 – 1991) und Dorothea Prühl (*1937) erworben, die beide an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle lehrten. Mit ihren Kollegen Hermann Jünger (1928 – 2005) und Otto Künzli (*1948) an der Akademie der Bildenden Künste München verband sie das ambitionierte Ziel, den Schmuck aus seiner dekorativen Unverbindlichkeit zu befreien.

Weitere Schwerpunkte der Ausstellung sind Arbeiten der Leipziger Goldschmiedin Monika Winkler (1933-2015) und des Dresdners Rainer Schumann (*1941).

In den letzten drei Dekaden erfuhr die Sammlung eine zahlenmäßig wie inhaltliche Erweiterung. Lebendig und vielfältig setzen sich die Schmuckgestalterinnen und - gestalter heute mit kulturellen und gesellschaftlichen Themen auseinander, die vormals nur der bildenden Kunst zugestanden wurden. Dieser Anspruch vereint die internationale Schmuckszene - trotz unterschiedlicher Positionen - zu einem vielstimmigen Chor. Unbekümmert können sich die Schmuckschaffenden der Kunstgeschichte und Traditionen bedienen, ironische und provokante Kommentare in Schmuckform abgeben. Auch die Besinnung auf traditionelle Materialien und Techniken ist erlaubt, ohne den Ruf der Rückständigkeit zu riskieren. Die Suche selbst, das Ringen um Positionen steht gegenwärtig im Zentrum der Schmuckschaffenden.

Schmuck und seine Trägerinnen und Träger
Trotz aller erworbenen Freiheiten ist und bleibt Schmuck eine angewandte Kunst. Sie ist Kunst, die am Körper getragen wird und erst im Zusammenspiel mit der jeweiligen Persönlichkeit ein Ganzes – ein Bild – ergibt.

Dem zweiten Teil des Ausstellungstitels kommt daher besondere Bedeutung zu. Wie wird Schmuck getragen und welche Perspektiven eröffnen sich für die ihn Tragenden und die Betrachtenden? Die Ausstellung zeigt Beispiele für die Korrespondenz zwischen Schmuck, seinen Trägerinnen und Trägern sowie dem Blick von außen.

Elf Leipziger Fotografinnen und Fotografen, arrivierte ebenso wie junge Talente, hat das Museum gebeten, Menschen mit unterschiedlichen Schmuckstücken der Sammlung im Ambiente des Museums zu fotografieren. Die portraitierten Personen sind nicht einfach nur Schmucktragende, sondern wurden aufgrund ihrer intensiven Beziehung zum Museum ausgewählt: sei es als Ausstellungsgestalter, als mehrfache Ausstellerin der Grassimesse, als Reinigungsfachkraft, als Förderer, Mitglied im Freundeskreis oder als Vertreter der Stadtpolitik.

Parallel zu SCHMUCK + IMAGE wird eine zweite Schmuck-Ausstellung präsentiert. KAIROS. MARGIT JA?SCHKE. SCHMUCK OBJEKT INSTALLATION zeigt Arbeiten der Hallenser Schmuckgestalterin der vergangenen dreißig Jahre.


Öffnungszeiten:
Dienstag - Sonntag (Feiertage): 10:00 - 18: Uhr
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: grassimak.de