Das Werk „Under Automata“ liefert eine zeitgenössische Annäherung an das künstlerische Gruppenporträt. Während eines Langstreckenfluges über den Atlantik scannte Eva L'Hoest schlafende Passagiere entlang des Flugzeugganges. Dabei verwendete sie eine 3D-Kamera, die in den letzten Jahren durch die Videospielindustrie popularisiert wurde, in Überwachungssystemen auf Flughäfen und der Industrie aber schon lange zum Standard gehört. Der poetisch-filmische Fahrt durch die schlafende Menge zeigt die Fragilität dieser technischen Systeme auf, da Körperteile verzerrt oder mit den Sitzen verschmolzen werden. Während diese Fehler für künstlerische Experimente reizvoll scheinen, zeigt ihr Film, wie geringfügige Änderungen der Lichtverhältnisse oder Objektüberschneidungen dazu führen können, dass hoch optimierte Systeme unvorhersehbare Ungenauigkeiten liefern, und wie menschliche Kontrolle in Zeiten der Automatisierung notwendig bleibt.

Phantom Horizons
Das fortlaufende Filmprogramm Phantom Horizonspräsentiert Arbeiten, die sowohl im Digitalen als auch im Analogen das Paradigma der Zentralperspektive hinterfragen und nach einer neuen Art der „Bedeutungsperspektive“ suchen. Letztere war eine Entwicklung der altertümlichen und mittelalterlichen Malerei, welche die Größe von Figuren anhand ihrer hierarchischen Bedeutung festlegte. In der Weiterführung dieses Ansatzes mittels dekonstruktivistischer Ideen und den Möglichkeiten heutiger Filmerzeugung eröffnen die gezeigten Werke facettenreiche, bisher ungesehene Horizonte.

19.05. - 12.06.2022

Eva L'Hoest: Im Schaufenster

Künstlerhaus Bethanien

Kottbusser Straße 10
10999 Berlin